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Geschichtliche Entwicklung
Mit dem weltweit enormen Interesse an 35mm-Spiegelreflexkameras nach dem 2. Weltkriegs stieg auch die Nachfrage nach Objektiven, die möglicht weite Bildauschnitte auf einem Foto darstellen können. Weite Bildausschnitte werden durch niedrige Brennweiten deutlich unterhalb von 50mm erreicht. Die Konstruktion derartiger Objektive für Spiegelreflexkameras ist schwierig, da sich die Hauptebene des Objektivs dann im Bereich des Spiegels befindet. Dieses Problem wird durch einen Retrofokus gelöst. Die Vorsilbe „Retro“ ist hier nicht zeitlich zu verstehen. Gemeint ist eine Verlagerung des Bildes nach hinten. Die Konstruktion der Objektive wird dadurch recht kompliziert, u.a. dürfen die zusätzlichen Linsen die Qualität der Fotos nicht beeinträchtigen.
Pentax Asahi brachte 1962 zunächst ein Fish-eye-Takumar mit f/11 und 18mm Brennweite heraus. Aufgrund der lichtschwachen Anfangsblende von f/11 und des festen Fokusses auf unendlich war dieses Objektiv für die Praxis unzureichend. Die Produktion endete 1967 nachdem weniger als 6000 Exemplare gebaut wurden [2 🔗].
Das Wort Fish-Eye bedeutet, dass die Fotos verzerrt sind, in etwa als würde man durch einen Türspion schauen. Dieser Effekt wird bei kurzen Brennweiten nicht extra eingebaut sondern ist per se vorhanden. Das Auskorrigieren des Fish-Eye Effektes ist sehr schwierig und war damals nur ansatzweise möglich.
1967 brachte Pentax Asahi schließlich das Fish-eye-Takumar 4/17 heraus. Mit 11 Linsen in 7 Gruppen stellt es für die damalige Zeit eine ingeniertechnische Meisterleistung dar. Bis 1971 wurden fast 18000 Exemplare gebaut, dann wurde das Objektiv mit einer Mehrschichtvergütung versehen und ohne weitere Veränderung der Optik als Super-Multi-Coated Fish-eye-Takumar 4/17 verkauft. Davon wurden bis 1975 fast 9000 Exemplare produziert. Danach wurde es noch bis 1985 (offenbar optisch unverändert) für den Pentax-K-Anschluss gebaut [1 2 3 4 5 🔗].
Das Objektiv ist sehr kompakt gebaut. Es hat eine Springblende mit 6 Blendenlamellen. Die Blende ist von f/4 bis f/22 in halben Schritten einstellbar. Aufgrund des hohen Öffnungswinkels kann man vor dem Objektiv keine Filter verwenden. Es verfügt aber über 3 eingebaute Filter (UV-, Rot- bzw. Gelbfilter) die man über ein Ring auswählen kann. Dabei muss man immer einen der Filter verwenden. Das Objektiv hat noch eine Halterung, womit man hinter der Hinterlinse einen weiteren Filter anbringen kann. Diese Halterung musste ich abschrauben, damit der Spiegel der DSLR nicht anschlägt. Die Naheinstellgrenze von 20cm lässt sich durch Zwischenringe noch weiter verringern.
Der diagonale Öffnungswinkel wird oft mit 180° angegeben. Ich bin mit aber nicht sicher, ob dies wirklich erreicht wird, da die Ecken stark komprimiert sind [5 🔗].
Altglasszene und Gebrauchtmarkt
Das Objektiv hat in der Altglasszene einen gewissen Kultstatus. Gut erhaltene Exemplare werden für rund 300€ angeboten, wobei oft noch Kosten für Zoll und internationalen Versand hinzukommen. Viele Fotografen sehen das Fish-eye-Takumar 4/17 eher als Spaß- oder Spezielobjektiv für wenige Motive und schrecken angesichts des Preises vor dem Kauf zurück, so dass sich die Nachfrage in Grenzen hält. Somit ist trotz der geringen Produktionszahlen von unter 30000 Stück ständig ein reichliches Angebot vorhanden.
Auf Simon Murray’s Liste seiner 5 Best Worst Vintage Lenses [6 🔗] belegt es den 3. Platz. Er hebt vor allem die massiven Lensflares hervor.
Im November 2024 kaufte ich ein verhältnismäßig günstig angebotenes, gut erhaltenes Fish-eye-Takumar 4/17, welches aufgrund der Seriennummer ca. 1969 gebaut wurde.
Galerie
Die Fotos sind alle im digitalen Vollformat bzw. mit 35mm-Analogfilm aufgenommen.






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Vergleiche mit dem Sigma Arts 1.8/14
Ich habe an der Schleusenruine Wüsteneutzsch mit Stativ vergleichende Aufnahmen mit dem Sigma Arts 1.8/14 gemacht.


Man kann deutlich erkennen, dass das Sigma Arts bereits bei Offenblende eine deutlich bessere Schärfe erreicht. Im Zentrum ist das Bild des Fish-eye-Takumars aufgrund der höheren Brennweite größer. Nichtsdestotrotz ist der Bildausschnitt des Fish-eye-Takumars deutlich größer.
Fazit
Dieses Objektiv ist definitiv vollkommen anders als alle anderen Objektive in meiner Sammlung. Es ist, auch einschließlich aller moderenen Objektive, das Objektiv mit dem größten Öffnungswinkel.
Um den für die damalige Zeit extrem großen Öffnungswinkel zu erreichen, musste Pentax offenbar alle anderen Gebrauchseigenschaften vernachlässigen. So ist das Objektiv bei Offenblende, immerhin f/4, recht unscharf. Die Schärfe ist auch beim Abblenden nicht so recht zufriedenstellend. Viele Fotos zeigen sehr starke Farbsäume, die auch bei vollständig geschlossener Blende (f/22) noch deutlich sichtbar sind. Diese lassen sich mit RawTherapee sehr gut korrigieren. Das Objektiv zeigt extreme, großflächige Lensflares, wenn sich die Sonne oder andere helle Lichtquellen im Bild befinden. Weiterhin sind sehr helle Bereiche des Bildes oft von riesigen Halos umgeben, die sich in der Nachbearbeitung kaum beheben lassen. Dieses Überstrahlen führt häufig zu kontrastarmen Fotos.
Trotz dieser ernüchternden Fakten sehe ich in dem Fish-eye-Takumar 4/17 enormes künstlerisches Potential. Mit dem moderaten Fish-Eye-Effekt lassen sich unkonventielle Sichtweisen auf Gebäude und Landschaften erreichen. Man muss darauf achten, dass lange, gerade Linien des Motivs an den Rändern des Bildes verlaufen. Dann werden die Linien effektvoll stark deformiert. Es ist eher ungünstig, wenn alle langen, geraden Linien durch die Bildmitte verlaufen. Dann ist der Fish-Eye-Effekt kaum wahrnehmbar. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Horizont durch die Bildmitte verläuft und es keine weiteren langen Linien im Motiv gibt.
Außenansichten von Gebäuden sind meist weniger günstig. Besser ist es, in konkave Objekte hinein zu fotografieren. Die extremen Lensflares laden sehr zu künstlerischen Spielereien ein. Die riesigen Halos bzw. Überstrahlungen stellen jedoch bei manchen Motiven ein großes Problem dar.
Ich habe das Objektiv schon öfters gewerblich eingesetzt und z.B. Trausäle während der Trauung fotografiert. Leider neigt das Fish-eye-Takumar 4/17 gerade bei diesen Motiven zu unschönen Überstrahlungen an Fenstern oder Kronleuchtern. Oft ist der Kompromis zwischen Blende und ISO-Wert schwierig. Bei Hochzeiten lassen sich vielen anderen Stellen Akzente setzten.
Insgesamt bin ich sehr froh, das Objektiv angeschafft zu haben. Es hat sowohl in meiner gewerblichen Fotografie, als auch privat, einen festen Platz.
Eine Kaufempfehlung ist schwierig. Für APS-C oder kleinere Sensoren empfehle ich das Fish-eye-Takumar 4/17 keinesfalls. Der Fish-Eye-Effekt ist dann im Wesentlichen in den abgeschnittenen Randbereichen und man hat eher ein lichtschwaches, schlechtes 17mm-Objektiv. Beim Fotografieren sollte man penibel darauf achten, keine Finger im Bild zu haben. Im Hochformat hatte ich schon versehentlich meine eigenen Schuhspitzen im Bild.








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![Sommer am Gliensee bei Groß Kelle, Zenit-E, Ilford SFX 200 [Werbung wegen Nennung]. Fisheye-Takumar 4/17 Gliensee Groß Kelle](https://www.drphotgraph.de/wp-content/uploads/cache/2026/04/1121-gal-250813-222342-D7201-o01/743667961.webp)
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![Im Erlenbruch am Gliensee im Sommer 2025, Zenit-E, Ilford SFX 200 [Werbung wegen Nennung]. Erlenbruch Gliensee Fish-eye Takumar 17mm f/4](https://www.drphotgraph.de/wp-content/uploads/cache/2026/04/1121-gal-250813-222307-D7200-o01/2848821179.webp)
![Schnakenburg an der Müritz, Zenit-E, f/11, Ilford SFX 200 [Werbung wegen Nennung]. Müritz Schnakenburg Zenit Pentax Asahi Fish-eye-Takumar 4/17](https://www.drphotgraph.de/wp-content/uploads/cache/2026/04/1121-gal-250813-223543-D7214-o01/1962881712.webp)
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